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„Wenn Not am Mann ist, bin ich da“

Uni-Klinikum

„Wenn Not am Mann ist, bin ich da“

Medizinstudent Tim Tartler unterstützt das Uni-Klinikum Erlangen in der Corona-Krise – weitere Helfer werden dringend gesucht

Seit März 2020 ist Medizinstudent Tim Tartler im Einsatz am Universitätsklinikum Erlangen: als studentische Hilfskraft in der Corona-Pandemie. Bis heute unterstützt er das Team der Intensivstation der Medizinischen Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie (Direktor: Prof. Dr. Mario Schiffer) bei der Versorgung von intensivpflichtigen COVID-19-Patienten. „Ich fand es damals direkt sinnvoll, mich auf den Aufruf des Uni-Klinikums hin zu melden“, sagt der 24-Jährige. „Ich bin Medizinstudent. Mein Ziel ist es, Menschen zu helfen. Außerdem habe ich Vorerfahrungen: Ich habe schon im Rettungsdienst gearbeitet und mein Freiwilliges Soziales Jahr auf einer Intensivstation gemacht. Für mich war es selbstverständlich, meine Unterstützung anzubieten, und auch irgendwie eine Art gesellschaftliche Verpflichtung.“

Am Uni-Klinikum Erlangen werden derzeit 61 Corona-Patienten versorgt – 19 davon auf Intensivstationen. Auf Tim Tartlers Station werden derzeit sechs Patienten mit COVID-19 behandelt. Bevor er das Zimmer eines Corona-Patienten betritt, muss sich der Student „einschleusen“ – Handschuhe, Kittel, Schutzbrille und FFP2-Maske anlegen. „Alle geben sehr darauf Acht, dass die Hygieneregeln im Dienst eingehalten werden. Aber wir machen zum Beispiel auch getrennt Pause, sodass nicht zu viele Leute zusammenkommen“, sagt er. Der Student sieht es als seine Aufgabe, den examinierten Pflegefachkräften auf Station „den Rücken freizuhalten“. Das tut er unter anderem, indem er den Kollegen Materialien ins Isolationszimmer reicht, Notfallwägen anhand einer Checkliste überprüft, Zimmer für neue Patienten herrichtet und Material auffüllt. Er werde aber auch zur Unterstützung bei der Pflege von COVID-19 Patienten gebraucht. „Schwer erkrankte beatmete Corona-Patienten drehen wir zum Beispiel für 16 Stunden täglich auf den Bauch – dann ist die Lungenbelüftung besser. Um einen Patienten zu bewegen, braucht es zwei Pflegekräfte und einen Arzt“, erläutert Tim Tartler. „Wenn es viele Neuaufnahmen auf Station gibt oder wenn sich COVID-19-Patienten kritisch verschlechtern, geht es auch mal stressiger zu“, berichtet er. „Aber die Stimmung bei uns ist gut. Wir halten zusammen.“

Der 24-jährige ist im zehnten Semester seines Medizinstudiums, steht kurz vor dem zweiten Staatsexamen. „Im Frühjahr habe ich in den Semesterferien Vollzeit als Hilfskraft gearbeitet, aktuell übernehme ich einen Dienst pro Woche – also Früh-, Spät- oder Nachtschicht. Was die Dienstplanung angeht, kommt man uns Studenten da sehr entgegen, finde ich.“ Stationsleiter Andreas Goldhardt ist dankbar, Mitarbeiter wie Tim Tartler zu haben, die sein Stammteam unterstützen. Drei Studierende sind dem Stationsleiter und seinem Team aus der ersten Corona-Welle Anfang des Jahres geblieben. Von ihrem Wissen können jetzt neue Hilfskräfte profitieren. „Niemand muss bei uns Aufgaben übernehmen, bei denen er sich noch nicht sicher fühlt“, betont Andreas Goldhardt. „Wer sich als studentische Hilfskraft bewirbt, wird früher oder später auch an Corona-Patienten arbeiten – aber erst, wenn alle fachlichen Abläufe und alle Hygieneregeln sicher sitzen.“

So selbstverständlich es für Tim Tartler ist, in der Krise mitanzupacken, so selbstverständlich ist das für den Stationsleiter keineswegs: „Ich finde diese Hilfe für unser Team extrem anerkennenswert“, sagt Andreas Goldhardt. „Tim ist seit der ersten Stunde dabei. Vor allem damals wusste noch niemand, wie das alles weitergeht. Dementsprechend hatten die Unterstützungsangebote auch einen sehr hohen moralischen Wert für mich – und haben es auch weiterhin.“ Doch wenn jeder Studierende im Drei-Schicht-System nur einen Dienst pro Woche übernimmt, braucht das Team der Intensivstation für sieben Wochentage 20 bis 25 Hilfskräfte – die es im Moment nicht hat.

Weitere Unterstützung dringend gesucht

Am gesamten Uni-Klinikum Erlangen gibt es zur Bewältigung der Corona-Krise weiterhin Bedarf an studentischen Hilfskräften – unter anderem auf den COVID-19-Infektstationen, auf den Intensivstationen und in der Notaufnahme. Interessenten können sich telefonisch unter 09131 85-46886 bewerben und werden dann im Schnellverfahren eingestellt. Studentische Hilfskräfte sollten eine pflegerische oder medizinische Ausbildung oder ein FSJ absolviert haben, einschlägige Erfahrungen als Pflegehilfskraft haben oder ein mindestens dreimonatiges Pflegepraktikum absolviert haben und mindestens sieben bis acht Stunden pro Woche einsatzfähig sein.

Bislang konnten am Uni-Klinikum Erlangen 85 Studierende mit Pflegeerfahrung als Hilfskräfte zur Bewältigung der aktuellen Corona-Welle gefunden werden. Weitere werden nun dringend gesucht. Bei der Dienstplanung wird auf das parallel laufende Medizinstudium Rücksicht genommen. Tim Tartler will weitermachen, solange ihn das Uni-Klinikum Erlangen braucht. „Wenn Not am Mann ist, bin ich da“, sagt er.

Weitere Informationen:

Katharina Diemer
Tel.: 09131 85-46886
E-Mail: katharina.diemer(at)uk-erlangen.de